Sonntag, 20. Juli 2008

Mit viel Glück, Willen und am Ende meiner Kräfte...

...habe ich heute das aufregenste und sicher anstrengenste getan, was ich je in meinem Leben gemacht habe: den Villarrica, 2.847 m hohen und aktiven Vulkan in der Región de los Lagos bestiegen!

Aber langsam: Am Dienstag abend bin ich mit einer Mitbewohnerin nach Pucón, zehn Busstunden südlich von Santiago, gefahren. Dort sind wir Mittwoch morgen bei Regen und Nebel angekommen, und haben uns eine nette kleine Cabaña gemietet, eine Holzhütte mit Wohnzimmer und ganz niedlicher Küche.

Nun ja, das Wetter war nicht gerade doll für unser Vorhaben, eine Tour zum Krater des Villarrica zu buchen. Die Agenturen haben uns nur ausgelacht: Um diese Jahreszeit, also im tiefsten Winter und bei den Konditionen (also Schnee und Regen) - unmöglich!

Also haben wir uns zwei schöne Tage in Pucón gemacht: abends sind wir in die Berge in die Thermen Los Pozones gefahren, sechs natürliche Wasserbassains, die vom nahegelegenen Vulkan auf 38 bis 42 Grad erhitzt werden. Eine tolle Kulisse: nebenher fliesst mit lautem Getöse ein Wasserfall und der heisse Wasserdampf steigt in die kalte dunkle Nacht auf. Ausserdem haben wir richtig gut gegessen, viele Brasilianer getroffen, die alle zur Zeit in Pucón ihre Winterferien in den Bergen und im Schnee geniessen, und gesunde frische Luft geatmet - eine Erholungspause von "Smogiago".

Leider hat der Regen nicht nachgelassen, die Wolken hingen so tief, dass man den Vulkan und auch die umliegenden Berge nicht einmal sehen konnte! Trotzdem haben wir uns auf den Weg in den Nationalpark Huerquehue gemacht, um drei Stunden zu wandern, durch den Wald, an Seen vorbei, bis zu einem Wasserfall. Trotz der wunderschönen Landschaft haben wir keine einzige Menschenseele getroffen - nur einen Hirten, dessen Haus wir passiert haben. Kein Wunder: es hat so geschneit und gehagelt, dass wir bis auf die Knochen durchnässt waren!



Am nächsten Tag musste meine Mitbewohnerin zurück nach Santiago und ich habe nochmal alle Vulkan-Agenturen abgeklappert: keine Chance! Erst am darauf folgenden Tag, als ich schon fast auf dem Rückweg nach Santiago war, wurde mir gesagt, dass für Samstag eine Chance besteht, denn Vulkan zu erklimmen, auch wenn die heutigen Touren alle umkehren mussten: die Expiditionen starten nur bei richtig guten Wetter, desweiteren ist der erfolgreiche Aufstieg abhängig vom Wind an der Spitze, da diese dann möglicherweise vereist ist, und von der Kondition der Leute. Ich habs drauf ankommen lassen und gebucht:

Heute morgen um sieben ging es dann los, eine Gruppe von 5 Brasilianern und Brasilianerinnen, 2 Guides und ich, alle bewaffnet mit einem Rucksack, Eispickel (!) , 2 Tafeln Schokolade, mind. 1,5 Liter Wasser, Sunblocker, Schneebekleidung, Helm, und noch einiger komischer Dinge, die ich bis dahin noch nicht zuordnen konnte. Zunächst sind wir mit dem Auto zur Skistation gefahren, dann bei eisiger Kälte mit dem Skilift weiter hoch. Villarrica leuchtete verlockend nahe wie ein Zuckerhut vor knallblauen Himmel vor uns auf.



Die 2 Brasilianerinnen hatten noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen! Nach 1,5 Stunden Aufstieg durch den Schnee haben sie dann auch aufgegeben. Ich bin mit zwei weiteren Brasilianern und den beiden Guides weiter, mit angezogenem Tempo, denn wenn man vor 2:30 pm nicht in der Nähe des Gifpels ist, wird umgekehrt, weil es gegen 5:30 pm dunkel wird. Nach einer weiteren halben Stunde hat der nächste Brasilianer aufgegeben und ist mit dem einen Guide zurück.

Nun gut, es war sehr anstrengend, mit Schneeschuhen im Zickzack durch den Schnee den Berg hoch zu waten, der mal vereist und anderen Stellen so locker war, dass man wadentief eingesackt ist. Aber noch hatte ich keine Probleme mit meiner Kondition. - 2,5 Stunden vor der Spitze haben mich dann meine Kräfte komplett verlassen: ein Schritt - eine Atempause - nächster Schritt - Atempause - schneller gings nicht! Bei jedem Schritt sind wir nun im Schnee eingesackt. Die letzte Stunde ging es dann über ein Eisfeld - ungesichert! Meine Kniee waren so zittrig und kraftlos, dass ich Angst hatte, meine Schneeschuhe nicht tief genug in das Eis hauen zu können und abzurutschen...



Um Punkt 2.30 pm haben wir drei den Krater erreicht! Nicht besonders spektakulär bei dem Schnee: inmitten des schneebedeckten Kraters ein kleines Rauchwölkchen und etwas gelber Nebel und schlechte Luft durch den Schwefel. Im Sommer kann man wirklich bis runter auf die Lava schauen! Dafür hinter uns die Aussicht: atemberaubend: Vulkanlandschaft aus schwarzem Lavagestein inmitten Seen und schneebedecketen Bergspitzen. Ausserdem konnten wir den Vulkan Llaima, etwa 30 km nordwestlich von Pucón sehen: der ist doch tatsächlich mitten während unseres Aufstiegs ausgebrochen! Wir konnten die schwarze Rauchwolke beobachten und die Asche, die herunterregnete! Was für ein Erlebnis!



Der Abstieg ging dann recht schnell: die zweite hälfte - kaum zu glauben - wurde auf dem Hosenboden bewältigt! ;-) Gebremst wurde, in dem man den Eispickel in den Berg rammte und sich dran festklammerte! Was für ein Tag! In einer Stunde gehts mit dem Nachtbus zurück nach Smogiago - was ich ja eigentlich sehr lieb gewonnen habe....