Mittwoch, 15. Oktober 2008

Galápagos

























Rund 1000 km vor der ecuadorianischen Küste liegen die Vulkaninseln des Kolumbusarchipels, besser bekannt unter Galápagos.

Ihren Namen haben die über 100 Inseln von der nur hier beheimateten Galápagosschildkröte zu verdanken, die nach Ihrem sattelförmigen Panzer benannt ist. Die Galápagosschildkröte, Spanisch für Wulstsattel-Schildkröte, ist eine Landschildkröte mit Rekordmaßen: ihr Panzer ist größer als die meisten Wohnzimmertische, sie wiegt um die 200 kilo (!!!) und wird rund 170 Jahre alt!



















Schon seit 1959 sind die schützenswerten Inseln Nationalpark. Denn bekannt sind die Galápagosinseln vor allem für ihre einzigartige Tierwelt. Iguanas, Echsen, die aus Urzeiten zu stammen scheinen, leben hier als stünde die Zeit still und als gäbe es den Menschen noch gar nicht. Dazu ein ornithologisches Paradies mit 150 Vogelarten wie dem blaufüßigen Tölpel, der vom Aussterben bedrohte Galápagospinguin, Seerobben und -löwen und die rote Klippenkrabbe, die die Ufer besiedeln und eine einzigartige Unterwasserwelt, deren Hammerhaie, Mantarochen und Walhaie jeden Taucher begeistern.

























Nur fünf der Inseln sind besiedelt, weswegen ich wie die meisten Besucher eine Segeltour, auf einem 8-Mann-Segelboot plus dreiköpfiger Crew unternommen habe. Tagsüber besuchten wir Traumstrände mit weißem, gelbem, rotem, grünem oder schwarzem Sand, an denen die Robbenmütter ihre einwochenalten Babys säugten, kletterten über bizarre Landschaften aus Lavagestein und besuchten die vielen Vögel, die in aller Seelenruhe vor unserer Nase brüteten. Beim Schnorcheln kamen die Robben zum Spielen vorbei und beim Tauchen schwamm eine Schule aus etwa 20 Hammerhaien unter uns her! Ich kann nur sagen, diese Inseln sind in jeder Hinsicht ein Paradies!









Montag, 13. Oktober 2008

Peruanisch-ecuadorianischer Grenzgang

Von Cusco, Peru, führt mich mein Weg ohne Umschweife nach Guayaquil in Ecuador, von wo aus ich mir in den Kopf gesetzte habe, die Galápagosinselns zu bereisen. Die immerhin dreitägige Reise dorthin ist weder die bequemste, noch die sicherste: Von Cusco geht es zunächst mit dem Nachtbus 22 Stunden über die Anden nach Lima. Bisher habe ich die luxuriösen Busse Südamerikas immer für sehr komfortabel gehalten. – Die Sitze gleichen denen der Firstclass in Flugzeugen, es werden Filme gezeigt und Essen gereicht und manchmal sogar Wein und Degestif . – Bisher war ich aber auch noch nie auf einer Busreise durch die peruanischen Anden, dessen Straßen nicht viel gemeinsam haben weder mit chilenischen Anden noch mit bolivianischem Altiplano, wohl aber mit ecuadorianischem und brasilianischem Fahrstil, wie ich im weiteren Reiseverlauf noch feststellen durfte. Nun habe ich auch verstanden, warum es so viele Busunglücke in Südamerika gibt. Unser Bus fahrt die ganzen 22 Stunden Serpentinen rauf und Serpentinen runter. Auf der kurvenreichen Strasse benutzt der Fahrer fast ausschließlich die linke Fahrspur (nein, Peru war nie britische Kolonie und hat folglich Rechtsverkehr), vor jeder Kurve, also durchschnittlich alle 25 Sekunden, wird gehupt. An Schlaf ist nicht zu denken.

So kommen wir hundemüde in Lima an und ich verabschiede mich von meinem Gefährten, mit dem ich drei Wochen gemeinsam gereist bin. Vom Busbahnhof in Lima geht es direkt alleine weiter zum Flughafen, wo ich auf meinen Flug am Abend nach Piura warte. Dort ankommend in der Nacht lasse ich mich nur noch zum nächstbesten und günstigen Hotel fahren und falle hundemüde ins Bett. Nach nur einer Stunde werde ich unsanft von Geräuschen aus den Nachbarzimmern aus dem Schlaf gerissen. Nun weiß ich, was der Taxifahrer meinte, als er mir anbot, mich woanders hinzufahren, weil dies nicht das beste Etablissement sei! Den Rest der Nacht liege ich wach und lausche mit Unbehagen den
anderen Gästen, welche während der Nacht häufig wechselten.

Anstatt auszuschlafen entscheide ich mich also dafür, den frühen Bus um sechs Uhr morgens nach Ecuador zu nehmen. Um fünf Uhr morgens stehe ich auf und es auf einmal friedlich ruhig geworden um mich herum. Auch der Nachtportier ist im Hinterzimmer verschwunden und eingeschlummert. Nach 10 Minuten Rufen bekomme ich ihn wach und ein Taxi bringt mich doch noch pünktlich zum Bus.

Naja, pünktlich hätte ich dort nicht sein müssen, denn der Taxifahrer bringt mich zu einer verschlossenenen Tür inmitten einer Häuserreihe. Freundlicherweise steigt er aus, um sich zu vergewissern, ob überhaupt wer da ist, und klopft. "Ein kleines Fensterchen in der Tür öffnet sich" (vgl. Szene aus Jim Knopf in China) und ein verschlafenes "Männlein" (vgl. Szene aus Jim Knopf in China) schaut heraus. Als er meinen Rucksack sieht macht er mir sogar die Tür auf und bietet mir einen der drei Stühle an, die im Wartebereich des "Busterminals" stehen. Der Bus kostet dann natürlich das Dreifache von dem, was mir vorher am Telefon gesagt wurde und als ich daraufhin etwas ärgerlich werde, kostet er sogar noch 5 Dollar (ja Dollar, und eben nicht Pesos) mehr. Wütend renne ich auf die Strasse und halte eine Rikscha an, die mich gefälligst zu einem anderen Bus nach Guayaquil bringen soll! – Nur einen anderen, erst um 12 Uhr ?! Wofür habe ich denn um 5 Uhr morgens meinen so "erholsamen" Schlaf abgebrochen, um vor Dunkeleinbruch in Ecuador zu sein?! Bedröppelt gehe ich wieder rein und werfe dem "Männlein" der teuren Busgesellschaft ein beschämtes Lächeln zu. Nun versuche ich es mit Charme und Freundlichkeit, den Preis ein wenig runterzuhandeln - in Peru ist der Tourismus lange angekommen, die sind knallhart! Währendessen erfahre ich auch noch, das der Bus aus Lima kommt (wofür bin ich für 400 Dollar da hoch geflogen?!) und eine Stunde Verspätung hat (na toll, wofür habe ich um 5 Uhr morgens meinen "erholsamen" Schlaf "abgebrochen"!). Ich bin ausgeliefert! Was soll ich tun? Klein beigeben und dem Touristenfänger das Geld in den gierigen Rachen schieben oder noch 5 weitere Stunden warten, vom Touristenfänger vor die Tür gesetzt, und ohne Bleibe?

"Ich geh erstmal frühstücken." Der Touristenfänger verwandelt sich wieder in das nette Männlein von dem Türfensterchen und schickt mich mit den zwei einheimischen Frauen mit, meine einzigen Mitreisenden. Meinen Rucksack könne ich ruhig da lassen, wenn ich möge, ob ich nun ein Ticket kaufe oder nicht. Ich hör die Falle zuschnappen... Egal, ich hab Hunger und weiß nicht was ich sonst tun soll. Also lasse ich meinen Rucksack mit Todesverachtung in der Höle des Löwen und begleite die beiden Damen zum Markt, auf dem um 6:20 in der Früh die meisten stände noch zu haben, und sich eine blonde Touristin nach Auslunft meiner Begleiterinnen am Besten nicht alleine hintraut. Wir finden aber doch schon etwas, was offen hat und nehmen ein typisch peruanisches Frühstück für 4 Pesos ein – 2 Pesos fürs Frühstück (gebratene Eier, nach Nachfragen mit Brot), und 2 für die als Milch bestellte fetttriefende Sahne für meinen Kaffee. Gemeinsam mit einem Geschäftsreisenden, der sich traditionell "Pollo con arroz" reinpfeift, sitzen wir am Frühstückstisch in der Markthalle und plaudern. Dann trete ich mit meinen neugewonnenen Freundinnen den Rückweg an und wir erfahren, das der Bus bedauerlicherweise eine weitere Stunde Verspätung hat. Ich kaufe zerknirrscht ein Ticket und bald ist er auch schon da, der peruanische Bus der Royal Class, der das dreifache des Fahrpreises des internationalen, im Lonly Planet als sicherer empfohlenen Busses kostet.

Egal, nun geht die insgesamt zehnstündige Fahrt, plus zwei weiteren Stunden Verspätung, nach peruanischem Qualitätsstandard á la Mountainbike durch den wüsten Norden Perus, über die Grenze nach Ecuador, wo sich die Wüstenlandschaft schnell in Bananenplantagen verwandelt. Abends um 22 Uhr statt vor Einbruch der Dunkelheit komme ich nach zwei quasi durchgemachten Nächten in Guayaquil am Bahnhof an. Öh, moment mal, wo ist der ultramoderne typisch südamerikanische, mit deutschen Flughafenterminals vergleichbare Busbahnhof in der größten und modernsten Stadt in ganz Ecuador? Nein, an dem kommen wir nicht an, statt dessen hält unser Bus der Luxusklasse in einem vorörtlichen Industriegebiet im Niemandsland. Etwas ratlos und ohne einen einzigen ecuadorianischen Dollar (die ich in dem ultramodernen Busterminal an einem der zahlreichen Geldautomaten zu bekommen gehofft hatte) stehe ich auf der Strasse. Meine beiden Freundinnen aus Piura (die, die mir ihre Lebensgeschichte anvertraut haben, von ihrem Bruder, den sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen haben, weil er seitdem irgendwo in Nordamerika wohnt und nicht mehr nach Peru einreisen darf und den sie nun deswegen in Ecuador besuchen; die die mir ein paar ratsame Tipps gegeben haben, dass man in Peru und Ecuador am besten als Frau nicht alleine reist, weil öfter mal jemand umgebracht wird, weil das Ausrauben dann reibungsloser abläuft), die beiden wollen mich nun auf einmal nicht mehr kennen und mich auch nicht im Taxi bis in die Stadt mitnehmen und lassen mich auf der Straße stehen. Danke auch, schönen Abend noch in Eurem netten vorgebuchten Hotel, von dem ich gerne die Adresse gehabt hätte, da ich nämlich noch keine Unterkunft habe!

Mit einer bestimmten "bin ich meinem Schicksal eben ausgeliefert"-Miene mache ich mich also auf den Weg über die nächste große Straße zum Einkaufszentrum, wo ich den erhofften Bankautomaten und im Anschluss auch ein Taxi finde. Ich wäge mich schon in Sicherheit, als mir auffällt, dass der Fahrer gar nicht die Zentrale angefunkt hat, um sein Fahrziel durchzugeben. Stetig nähern wir uns aber dem Lichtermeer auf der anderen Seite des Stromes und ich fühle mich gerettet, als mich der Fahrer endlich vor einem Hotel absetzt, welches den Ruf hat, gut und günstig zu sein. Nur, dass es ausgebucht ist hat mir verflixt nochmal niemand vorher gesagt. Auch nicht, dass die Rezeptionistin es nicht zu stören scheint, mich am Rande der Verzweiflung einfach wieder auf die Straße zu setzen. Den nächsten Taxifahrer schickt der Himmel, denn er fährt mich für 50 centimes zum nächsten Hotel, fragt wieviel ich maximal zu zahlen bereit bin und erkundigt sich, ob ein Zimmer frei ist. Strahlend kommt er zurück und trägt mir meinen Rucksack hinein. Ich falle in meinem sterilen aber ruhigen Zimmer in den Tiefschlaf und träume von den Galápagosinseln...