Mittwoch, 15. Oktober 2008

Galápagos

























Rund 1000 km vor der ecuadorianischen Küste liegen die Vulkaninseln des Kolumbusarchipels, besser bekannt unter Galápagos.

Ihren Namen haben die über 100 Inseln von der nur hier beheimateten Galápagosschildkröte zu verdanken, die nach Ihrem sattelförmigen Panzer benannt ist. Die Galápagosschildkröte, Spanisch für Wulstsattel-Schildkröte, ist eine Landschildkröte mit Rekordmaßen: ihr Panzer ist größer als die meisten Wohnzimmertische, sie wiegt um die 200 kilo (!!!) und wird rund 170 Jahre alt!



















Schon seit 1959 sind die schützenswerten Inseln Nationalpark. Denn bekannt sind die Galápagosinseln vor allem für ihre einzigartige Tierwelt. Iguanas, Echsen, die aus Urzeiten zu stammen scheinen, leben hier als stünde die Zeit still und als gäbe es den Menschen noch gar nicht. Dazu ein ornithologisches Paradies mit 150 Vogelarten wie dem blaufüßigen Tölpel, der vom Aussterben bedrohte Galápagospinguin, Seerobben und -löwen und die rote Klippenkrabbe, die die Ufer besiedeln und eine einzigartige Unterwasserwelt, deren Hammerhaie, Mantarochen und Walhaie jeden Taucher begeistern.

























Nur fünf der Inseln sind besiedelt, weswegen ich wie die meisten Besucher eine Segeltour, auf einem 8-Mann-Segelboot plus dreiköpfiger Crew unternommen habe. Tagsüber besuchten wir Traumstrände mit weißem, gelbem, rotem, grünem oder schwarzem Sand, an denen die Robbenmütter ihre einwochenalten Babys säugten, kletterten über bizarre Landschaften aus Lavagestein und besuchten die vielen Vögel, die in aller Seelenruhe vor unserer Nase brüteten. Beim Schnorcheln kamen die Robben zum Spielen vorbei und beim Tauchen schwamm eine Schule aus etwa 20 Hammerhaien unter uns her! Ich kann nur sagen, diese Inseln sind in jeder Hinsicht ein Paradies!









Montag, 13. Oktober 2008

Peruanisch-ecuadorianischer Grenzgang

Von Cusco, Peru, führt mich mein Weg ohne Umschweife nach Guayaquil in Ecuador, von wo aus ich mir in den Kopf gesetzte habe, die Galápagosinselns zu bereisen. Die immerhin dreitägige Reise dorthin ist weder die bequemste, noch die sicherste: Von Cusco geht es zunächst mit dem Nachtbus 22 Stunden über die Anden nach Lima. Bisher habe ich die luxuriösen Busse Südamerikas immer für sehr komfortabel gehalten. – Die Sitze gleichen denen der Firstclass in Flugzeugen, es werden Filme gezeigt und Essen gereicht und manchmal sogar Wein und Degestif . – Bisher war ich aber auch noch nie auf einer Busreise durch die peruanischen Anden, dessen Straßen nicht viel gemeinsam haben weder mit chilenischen Anden noch mit bolivianischem Altiplano, wohl aber mit ecuadorianischem und brasilianischem Fahrstil, wie ich im weiteren Reiseverlauf noch feststellen durfte. Nun habe ich auch verstanden, warum es so viele Busunglücke in Südamerika gibt. Unser Bus fahrt die ganzen 22 Stunden Serpentinen rauf und Serpentinen runter. Auf der kurvenreichen Strasse benutzt der Fahrer fast ausschließlich die linke Fahrspur (nein, Peru war nie britische Kolonie und hat folglich Rechtsverkehr), vor jeder Kurve, also durchschnittlich alle 25 Sekunden, wird gehupt. An Schlaf ist nicht zu denken.

So kommen wir hundemüde in Lima an und ich verabschiede mich von meinem Gefährten, mit dem ich drei Wochen gemeinsam gereist bin. Vom Busbahnhof in Lima geht es direkt alleine weiter zum Flughafen, wo ich auf meinen Flug am Abend nach Piura warte. Dort ankommend in der Nacht lasse ich mich nur noch zum nächstbesten und günstigen Hotel fahren und falle hundemüde ins Bett. Nach nur einer Stunde werde ich unsanft von Geräuschen aus den Nachbarzimmern aus dem Schlaf gerissen. Nun weiß ich, was der Taxifahrer meinte, als er mir anbot, mich woanders hinzufahren, weil dies nicht das beste Etablissement sei! Den Rest der Nacht liege ich wach und lausche mit Unbehagen den
anderen Gästen, welche während der Nacht häufig wechselten.

Anstatt auszuschlafen entscheide ich mich also dafür, den frühen Bus um sechs Uhr morgens nach Ecuador zu nehmen. Um fünf Uhr morgens stehe ich auf und es auf einmal friedlich ruhig geworden um mich herum. Auch der Nachtportier ist im Hinterzimmer verschwunden und eingeschlummert. Nach 10 Minuten Rufen bekomme ich ihn wach und ein Taxi bringt mich doch noch pünktlich zum Bus.

Naja, pünktlich hätte ich dort nicht sein müssen, denn der Taxifahrer bringt mich zu einer verschlossenenen Tür inmitten einer Häuserreihe. Freundlicherweise steigt er aus, um sich zu vergewissern, ob überhaupt wer da ist, und klopft. "Ein kleines Fensterchen in der Tür öffnet sich" (vgl. Szene aus Jim Knopf in China) und ein verschlafenes "Männlein" (vgl. Szene aus Jim Knopf in China) schaut heraus. Als er meinen Rucksack sieht macht er mir sogar die Tür auf und bietet mir einen der drei Stühle an, die im Wartebereich des "Busterminals" stehen. Der Bus kostet dann natürlich das Dreifache von dem, was mir vorher am Telefon gesagt wurde und als ich daraufhin etwas ärgerlich werde, kostet er sogar noch 5 Dollar (ja Dollar, und eben nicht Pesos) mehr. Wütend renne ich auf die Strasse und halte eine Rikscha an, die mich gefälligst zu einem anderen Bus nach Guayaquil bringen soll! – Nur einen anderen, erst um 12 Uhr ?! Wofür habe ich denn um 5 Uhr morgens meinen so "erholsamen" Schlaf abgebrochen, um vor Dunkeleinbruch in Ecuador zu sein?! Bedröppelt gehe ich wieder rein und werfe dem "Männlein" der teuren Busgesellschaft ein beschämtes Lächeln zu. Nun versuche ich es mit Charme und Freundlichkeit, den Preis ein wenig runterzuhandeln - in Peru ist der Tourismus lange angekommen, die sind knallhart! Währendessen erfahre ich auch noch, das der Bus aus Lima kommt (wofür bin ich für 400 Dollar da hoch geflogen?!) und eine Stunde Verspätung hat (na toll, wofür habe ich um 5 Uhr morgens meinen "erholsamen" Schlaf "abgebrochen"!). Ich bin ausgeliefert! Was soll ich tun? Klein beigeben und dem Touristenfänger das Geld in den gierigen Rachen schieben oder noch 5 weitere Stunden warten, vom Touristenfänger vor die Tür gesetzt, und ohne Bleibe?

"Ich geh erstmal frühstücken." Der Touristenfänger verwandelt sich wieder in das nette Männlein von dem Türfensterchen und schickt mich mit den zwei einheimischen Frauen mit, meine einzigen Mitreisenden. Meinen Rucksack könne ich ruhig da lassen, wenn ich möge, ob ich nun ein Ticket kaufe oder nicht. Ich hör die Falle zuschnappen... Egal, ich hab Hunger und weiß nicht was ich sonst tun soll. Also lasse ich meinen Rucksack mit Todesverachtung in der Höle des Löwen und begleite die beiden Damen zum Markt, auf dem um 6:20 in der Früh die meisten stände noch zu haben, und sich eine blonde Touristin nach Auslunft meiner Begleiterinnen am Besten nicht alleine hintraut. Wir finden aber doch schon etwas, was offen hat und nehmen ein typisch peruanisches Frühstück für 4 Pesos ein – 2 Pesos fürs Frühstück (gebratene Eier, nach Nachfragen mit Brot), und 2 für die als Milch bestellte fetttriefende Sahne für meinen Kaffee. Gemeinsam mit einem Geschäftsreisenden, der sich traditionell "Pollo con arroz" reinpfeift, sitzen wir am Frühstückstisch in der Markthalle und plaudern. Dann trete ich mit meinen neugewonnenen Freundinnen den Rückweg an und wir erfahren, das der Bus bedauerlicherweise eine weitere Stunde Verspätung hat. Ich kaufe zerknirrscht ein Ticket und bald ist er auch schon da, der peruanische Bus der Royal Class, der das dreifache des Fahrpreises des internationalen, im Lonly Planet als sicherer empfohlenen Busses kostet.

Egal, nun geht die insgesamt zehnstündige Fahrt, plus zwei weiteren Stunden Verspätung, nach peruanischem Qualitätsstandard á la Mountainbike durch den wüsten Norden Perus, über die Grenze nach Ecuador, wo sich die Wüstenlandschaft schnell in Bananenplantagen verwandelt. Abends um 22 Uhr statt vor Einbruch der Dunkelheit komme ich nach zwei quasi durchgemachten Nächten in Guayaquil am Bahnhof an. Öh, moment mal, wo ist der ultramoderne typisch südamerikanische, mit deutschen Flughafenterminals vergleichbare Busbahnhof in der größten und modernsten Stadt in ganz Ecuador? Nein, an dem kommen wir nicht an, statt dessen hält unser Bus der Luxusklasse in einem vorörtlichen Industriegebiet im Niemandsland. Etwas ratlos und ohne einen einzigen ecuadorianischen Dollar (die ich in dem ultramodernen Busterminal an einem der zahlreichen Geldautomaten zu bekommen gehofft hatte) stehe ich auf der Strasse. Meine beiden Freundinnen aus Piura (die, die mir ihre Lebensgeschichte anvertraut haben, von ihrem Bruder, den sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen haben, weil er seitdem irgendwo in Nordamerika wohnt und nicht mehr nach Peru einreisen darf und den sie nun deswegen in Ecuador besuchen; die die mir ein paar ratsame Tipps gegeben haben, dass man in Peru und Ecuador am besten als Frau nicht alleine reist, weil öfter mal jemand umgebracht wird, weil das Ausrauben dann reibungsloser abläuft), die beiden wollen mich nun auf einmal nicht mehr kennen und mich auch nicht im Taxi bis in die Stadt mitnehmen und lassen mich auf der Straße stehen. Danke auch, schönen Abend noch in Eurem netten vorgebuchten Hotel, von dem ich gerne die Adresse gehabt hätte, da ich nämlich noch keine Unterkunft habe!

Mit einer bestimmten "bin ich meinem Schicksal eben ausgeliefert"-Miene mache ich mich also auf den Weg über die nächste große Straße zum Einkaufszentrum, wo ich den erhofften Bankautomaten und im Anschluss auch ein Taxi finde. Ich wäge mich schon in Sicherheit, als mir auffällt, dass der Fahrer gar nicht die Zentrale angefunkt hat, um sein Fahrziel durchzugeben. Stetig nähern wir uns aber dem Lichtermeer auf der anderen Seite des Stromes und ich fühle mich gerettet, als mich der Fahrer endlich vor einem Hotel absetzt, welches den Ruf hat, gut und günstig zu sein. Nur, dass es ausgebucht ist hat mir verflixt nochmal niemand vorher gesagt. Auch nicht, dass die Rezeptionistin es nicht zu stören scheint, mich am Rande der Verzweiflung einfach wieder auf die Straße zu setzen. Den nächsten Taxifahrer schickt der Himmel, denn er fährt mich für 50 centimes zum nächsten Hotel, fragt wieviel ich maximal zu zahlen bereit bin und erkundigt sich, ob ein Zimmer frei ist. Strahlend kommt er zurück und trägt mir meinen Rucksack hinein. Ich falle in meinem sterilen aber ruhigen Zimmer in den Tiefschlaf und träume von den Galápagosinseln...

Montag, 1. September 2008

Peru

Auf der Peruanischen Seite des Titikakasees liegen die Islas Flotantes, 40 schwimmende Inseln aus Schilfgras, auf denen etwa 2000 Abkoemmlinge der Aymaras leben. Von Puno aus haben wir diese Inseln besichtigt, die heute nur noch fuer den Tourismus existieren. Trotzdem, die wohl seltsamste Lebensweise, von der ich je erfahren habe: auf einer Insel von etwa zehn mal zehn Metern Ausmass leben etwa fuenf Familien in Schilfgrashuetten, teilweise mit Solarzellen bestueckt, welche Radio und Fernsehen speisen, ansonsten nur durch Bootverkehr mit dem Festland verbunden. Sogar drei Schulen gibt es in dieser vom Fischfang und Tourismus lebenden Inselgemeinde.



Von Puno aus ging es per InkaExpress weiter nach Cusco, von wo aus wir eine dreitaegige Tour zum Machupicchu gemacht haben: Erster Tag 4.200 Hoehenmeter im Auto ueber serpentinenreiche Strasse an beaengstigend tiefen Abgruenden und mit atemberaubender Aussicht. Oben angekommen umgesattelt auf Mountainbikes von dubioser Qualitaet und 3000 Hoehenmeter zusammen mit LKWs auf Schotterpiste wieder runter. Auf dem Fahrrad hat man den Klimawechsel innerhalb der fuenf Stunden Abfahrt gespuert, je tiefer wir kamen, desto tropischer wurde es, anstatt schneebedeckter Berggipfel passierten wir nun Palmen und bunte Blumen auf unserem Weg ins Tal in ein kleines abgelegenes Doerfchen, in dessen Thermen wir am abend unsere mueden Knochen getaucht haben.

Zweiter Tag acht Stunden Fussmarsch doch tropische Landschaft inmitten der Berge. Zunaechst Aufstieg zu einem Wasser Fall. Oder doch nicht, unser Guide hatte sich vertan, der Wasserfall war auf dem naechsten Berg! Also wieder abgestiegen und naechsten Berg rauf, alles fuer eine kurze Dusche inmitten Ameisen und Schmetterlingen... Die zweite Haelfte des Tages sind wir ueber Eisenbahnschienen nach Aguas Calientes getreckt.

Dritter Tag begann frueh morgens um 4 Uhr. Um 4.30 Uhr haben wir uns von Aguas Calientes aus an den Aufstieg zu Machupicchu, der ehemaligen Inkastaette auf gleichnamigen Berg gemacht: 1000 Hoehenmetter Aufstieg ueber Treppenstufen! Um sechs Uhr morgens bin ich schweissgebadet in Machupicchu angekommen, welches noch fast voellig im Nebel lag. Danach nochmal 40 Minuten Aufstieg ueber Treppenstufen, um Machupicchu von oben zu betrachten, waehrend sich die Nebelschwaden lichten und den Blick auf die Inkastaette in der unglaublichen Bergkulisse freigeben...

Am selben abend ging es noch zurueck nach Cusco, von wo aus ich mich morgen auf den dreitaegigen Weg nach Ecuador aufmache...

Dienstag, 26. August 2008

Bolivia Biodiversity

Von Potosí aus ging die Fahrt weiter nach La Paz, was umrundet von Bergen liegt. Nur das Zentrum liegt halbwegs im Tal, die restlichen Stadtteile sind in die Berghänge gebaut. In diesem Hexenkessel haben wir zwei anstrengende und aufgrund der Höhe atemlose Tage erfolglos versucht, uns zu orientieren.

Am nächsten Tag ging es dann mit einer 20-Mann-Propeller-Maschine vom Flughafen in La Plaz von rund 3.500 Metern runter an den Amazonas nach Rurrenabaque, welches fast auf Meeresspiegehöhe liegt. Innerhalb von 45 Minuten haben wir die über 4.000 Meter hohe Andenkodillere überquert, in einer winzigen Propellermaschine, in der man jeden Luftzug spürt und mit der wir zwischen den schneebedeckten Berggipfeln durchgeflogen sind. Plötzlich verwandelte sich die Landschaft in ein ebenes grünes Meer aus Baumgipfeln und Temperatur und Luftfeuchtigkeit stiegen mit jedem Meter, den wir der Landebahn (eine grüne Wiese!) näher kamen.

Von Rurrenabque aus haben wir eine dreitägige Pampatour gemacht: zunächst drei Stunden eingefercht im Jeep durch den Urwald (Strasse würde ich das nicht nennen). Von dort sind wir ins Kanu umgestiegen, welches für die nächsten drei Tage unser Fortbewegungsmittel wurde. Das Boot lag vielleicht einen halben Meter über der Wasseroberfläche. Im Wasser und am Ufer - wir konnten unseren Augen kaum trauen - in nächster Nähe Krokodile, Kaimane und Alligatoren von bis zu 2,5 Metern Länge! Aufgrund der Vielzahl der abtauchenden Augen im Wasser und der offenen auf Beute lauernden starren Mäuler, die wir passierten, haben wir uns schnell daran gewöhnt, von diesen Bestien umgeben zu sein.

In diesen nächsten drei Stunden Flussfahrt habe ich mehr Alligatoren, Vögel und andere Dschungelbewohner gesehen als während meiner gesamten zwei Monate in Australien: Wasserschweine, Schildkröten, Adler, Geier, Paradisvögel, Kormorane, Störche, Reiher, Tukane, riesige Vögel, winzige knallbunte Vögel und hässliche Hühner, gelbe Affen und grosse schwarze Affen... Der Dschungel lebt!

Ok, bei der Vielzahl an zu bewundernden Pampabewohnern hatten wir uns an die Krokis um uns herum gewöhnt, nie im Leben hätte ich aber noch Minuten zuvor gedacht, das ich im nächsten Moment zu ihnen ins selbe schlammige und mit den Augen nicht zu durchdringende Wasser steigen werde! In einer Bucht in diesem Fluss wohnen nämlich rosa Flussdelfine, wirklich nicht die hübschesten ihrer Artgenossen, dafür aber sehr nüztlich: wo sie sind, bleiben Krokis und auch Piranhas fern - naja, fern ist relativ: wir konnten die Krokis am Ufer lauern sehen und auch am Rand im Wasser, während wir in der Mitte der Bucht mit den Delfinen spielten!

Nach diesem aufregenden Bad haben wir unser auf Holzpfeilern gebautes Dschungelcamp bezogen, in dessen Bäumen die Affen spielten. Um das Adrenalin noch ein bisschen höher zu treiben, ging es nach dem Abendbrot auf Nachtwanderung, natürlich im Boot. Keine Ahnung wie Charlo, unser Guide, sich in der Dunkelheit durch den Fluss manovrierte - er hat aber wohl auch nicht viel mehr gesehen, denn auf einmal steckten wir fest, inmitten von Wasserpflanzen. Das unangenheme dabei: um uns herum in der schwarzen Nacht: AUGEN! Es wimmelte nur so von Krokodilen, deren Augen im Dunkeln leuchteten! Sehr angenehm, ich wäre nicht ins Wasser gestiegen, um unser Boot aus den Wasserpflanzen zu befreien! Die Krokodile schienen nicht hungrig gewesen zu sein, denn Charlo kam unversehrt wieder ins Boot! Dann haben wir noch eine über handtellergrosse Tarantula (Vogelspinne) besucht, die nachts immer in ihrem Haus aufzufinden ist.

Was fehlt noch im Dschungel? - Schlangen! Am nächsten Morgen haben wir einen Spaziergang durch die Pampa, durch weites schulterhohes Grasland, gemacht. Dort sind wir dann einer Kobra, einer gelben sehr schnellen Giftschlange, und zwei Anakodas, langsameren Würgeschlangen, begegnet. Man kann Sie sogar am Schwanz packen und wild durch die Luft schleudern, wenn Sie versucht einen zu beissen. Ich hab mich mit Streicheln begnügt.

Am nachmittag ging es dann zum Piranha-Angeln! Eine kleine Schnur, an dessen Haken man ein Stückchen Fleisch befestigt. Der Köder hängt noch nicht ganz im Wasser und im Wasser geht es rund: 2 Sekunden später ist das Stückchen Fleisch auch schon weg. Man braucht nicht viele Versuche, um einen Piranha herauszuziehen. So war das Gekreische in usnerem 5 Mädels und 2 Mann starken Boot gross, sobald eine von uns einen Piranha ins Boot manövrierte. Es hat mich schon einige überwindung gekostet, meine Beute vom Haken abzumachen und noch lebend in die Tüte fürs Abendbrot zu bringen!

Am dritten Morgen ging es zurück über den Fluss inmitten der Krokodile, vorbei an den Delfinen, über die holprige Strasse mit dem Jeep nach Rurre. Von dort wieder mit dem Flieger nach La Paz, wo wir am selben Tag noch die Fahrt nach Cocacabana, einem hübschen idyllischen örtchen am Titikakasee angetreten sind. Wieder zurück in 3.600 Metern Höhe, mit tagsüber brennender Sonne aber nachts eisiger Kälte, und wieder völlig andere Landschaft! Inmitten des Titikakasees liegt die Isla del Sol, welche als die Geburtsstädte der Inkakultur gilt. Gestern sind wir dann über die Grenze nach Peru maschiert: mit dem Minibus bis zur bolivianischen Seite der Grenze, Sack und Pack geschnappt, über die Grenze gelaufen und in Peru in den Nachtbus gestiegen, der uns nach Puno, die peruanische Seite des Titikaksees gebracht hat...

Sonntag, 17. August 2008

Von Chile durch die Wüste nach Bolivien

Der Beginn meiner Reise war leider nicht so schön: eine Woche musste ich krank im Wüstenkaff San Pedro de Atacama im Norden Chiles ausharren, bevor ich meine Reise endlich beginnen konnte. Ich dachte nach 24 h Busfahrt von Santiago nach San Pedro, von denen schon etwa die Hälfte durch die Wüste gingen, ich würde mich nun wirklich im Zentrum der Wüste befinden. Von San Pedro ging es dann aber nochmal drei Tage mit dem 4-W-Jeep (mit sechs Leuten auf zwei Sitzbänken eingefercht) durch die Wüste: nachst frierend bei Minustemperaturen in einfachster Steinhütte mit Strohdach, tagsüber schwitzend, immer den trockenen Staub in Mund, Nase und eigentlich überall ... ich hätte nie gedacht wie abwechslungsreich die Wüste sein kann: Stein, Geröll, Vulkane, Lagunen in den unterschiedlichsten Farben, an denen Flamingos, Llamas und Fuechse leben...


Nach drei Tagen Wüste dachten wir, von der bolivianischen Wüstensdtadt Uyuni aus 7 Stunden per Nachtbus nach Potosì zurück in die Zivilisation zu reisen. Das war aber weit gefehlt: Potosí ist mit 4.600 m die höchste Satdt der Welt und liegt inmitten dem Altiplano Boliviens, den einödenen Hochebenen, wo wirklich NICHTS ist ausser Wüste! So kamen wir also mitten in der Nacht in Potosí an, was auf uns eher den Eindruck eines "Wüstendorfs" mit am Hang gebauten Behausungen machte. Dort haben wir dann die grösste Silbermine der Welt besichtigt: auf gleiche Weise wie auch die Mineros ihren Arbeitsplatz betreten, sind wir durch einen der vielen Eingaenge, mit Gummistiefel und Schutzkleidung bewaffnet, in den Berg gestiegen - durch schmale, nicht einmal mannshohe Gänge, in denen das Wasser teilweise knöcheltief stand und die Luft zum atmen noch schwerer wurde. Cocablätterkauend (die "Droge" der Arbeiter, die gegen Erschöpfung, Hungergefühle und Erscheinungen der Höhenkrankheit hilft) haben wir uns den Minenbetrieb angeschaut: unglaublich, die Arbeiter arbeiten wie vor hundert Jahren mit den einfachsten Werkzeugen und schieben Silber, Kupfer und Zink in einem Karren per "Handarbeit" aus dem Berg!

Sonntag, 20. Juli 2008

Mit viel Glück, Willen und am Ende meiner Kräfte...

...habe ich heute das aufregenste und sicher anstrengenste getan, was ich je in meinem Leben gemacht habe: den Villarrica, 2.847 m hohen und aktiven Vulkan in der Región de los Lagos bestiegen!

Aber langsam: Am Dienstag abend bin ich mit einer Mitbewohnerin nach Pucón, zehn Busstunden südlich von Santiago, gefahren. Dort sind wir Mittwoch morgen bei Regen und Nebel angekommen, und haben uns eine nette kleine Cabaña gemietet, eine Holzhütte mit Wohnzimmer und ganz niedlicher Küche.

Nun ja, das Wetter war nicht gerade doll für unser Vorhaben, eine Tour zum Krater des Villarrica zu buchen. Die Agenturen haben uns nur ausgelacht: Um diese Jahreszeit, also im tiefsten Winter und bei den Konditionen (also Schnee und Regen) - unmöglich!

Also haben wir uns zwei schöne Tage in Pucón gemacht: abends sind wir in die Berge in die Thermen Los Pozones gefahren, sechs natürliche Wasserbassains, die vom nahegelegenen Vulkan auf 38 bis 42 Grad erhitzt werden. Eine tolle Kulisse: nebenher fliesst mit lautem Getöse ein Wasserfall und der heisse Wasserdampf steigt in die kalte dunkle Nacht auf. Ausserdem haben wir richtig gut gegessen, viele Brasilianer getroffen, die alle zur Zeit in Pucón ihre Winterferien in den Bergen und im Schnee geniessen, und gesunde frische Luft geatmet - eine Erholungspause von "Smogiago".

Leider hat der Regen nicht nachgelassen, die Wolken hingen so tief, dass man den Vulkan und auch die umliegenden Berge nicht einmal sehen konnte! Trotzdem haben wir uns auf den Weg in den Nationalpark Huerquehue gemacht, um drei Stunden zu wandern, durch den Wald, an Seen vorbei, bis zu einem Wasserfall. Trotz der wunderschönen Landschaft haben wir keine einzige Menschenseele getroffen - nur einen Hirten, dessen Haus wir passiert haben. Kein Wunder: es hat so geschneit und gehagelt, dass wir bis auf die Knochen durchnässt waren!



Am nächsten Tag musste meine Mitbewohnerin zurück nach Santiago und ich habe nochmal alle Vulkan-Agenturen abgeklappert: keine Chance! Erst am darauf folgenden Tag, als ich schon fast auf dem Rückweg nach Santiago war, wurde mir gesagt, dass für Samstag eine Chance besteht, denn Vulkan zu erklimmen, auch wenn die heutigen Touren alle umkehren mussten: die Expiditionen starten nur bei richtig guten Wetter, desweiteren ist der erfolgreiche Aufstieg abhängig vom Wind an der Spitze, da diese dann möglicherweise vereist ist, und von der Kondition der Leute. Ich habs drauf ankommen lassen und gebucht:

Heute morgen um sieben ging es dann los, eine Gruppe von 5 Brasilianern und Brasilianerinnen, 2 Guides und ich, alle bewaffnet mit einem Rucksack, Eispickel (!) , 2 Tafeln Schokolade, mind. 1,5 Liter Wasser, Sunblocker, Schneebekleidung, Helm, und noch einiger komischer Dinge, die ich bis dahin noch nicht zuordnen konnte. Zunächst sind wir mit dem Auto zur Skistation gefahren, dann bei eisiger Kälte mit dem Skilift weiter hoch. Villarrica leuchtete verlockend nahe wie ein Zuckerhut vor knallblauen Himmel vor uns auf.



Die 2 Brasilianerinnen hatten noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen! Nach 1,5 Stunden Aufstieg durch den Schnee haben sie dann auch aufgegeben. Ich bin mit zwei weiteren Brasilianern und den beiden Guides weiter, mit angezogenem Tempo, denn wenn man vor 2:30 pm nicht in der Nähe des Gifpels ist, wird umgekehrt, weil es gegen 5:30 pm dunkel wird. Nach einer weiteren halben Stunde hat der nächste Brasilianer aufgegeben und ist mit dem einen Guide zurück.

Nun gut, es war sehr anstrengend, mit Schneeschuhen im Zickzack durch den Schnee den Berg hoch zu waten, der mal vereist und anderen Stellen so locker war, dass man wadentief eingesackt ist. Aber noch hatte ich keine Probleme mit meiner Kondition. - 2,5 Stunden vor der Spitze haben mich dann meine Kräfte komplett verlassen: ein Schritt - eine Atempause - nächster Schritt - Atempause - schneller gings nicht! Bei jedem Schritt sind wir nun im Schnee eingesackt. Die letzte Stunde ging es dann über ein Eisfeld - ungesichert! Meine Kniee waren so zittrig und kraftlos, dass ich Angst hatte, meine Schneeschuhe nicht tief genug in das Eis hauen zu können und abzurutschen...



Um Punkt 2.30 pm haben wir drei den Krater erreicht! Nicht besonders spektakulär bei dem Schnee: inmitten des schneebedeckten Kraters ein kleines Rauchwölkchen und etwas gelber Nebel und schlechte Luft durch den Schwefel. Im Sommer kann man wirklich bis runter auf die Lava schauen! Dafür hinter uns die Aussicht: atemberaubend: Vulkanlandschaft aus schwarzem Lavagestein inmitten Seen und schneebedecketen Bergspitzen. Ausserdem konnten wir den Vulkan Llaima, etwa 30 km nordwestlich von Pucón sehen: der ist doch tatsächlich mitten während unseres Aufstiegs ausgebrochen! Wir konnten die schwarze Rauchwolke beobachten und die Asche, die herunterregnete! Was für ein Erlebnis!



Der Abstieg ging dann recht schnell: die zweite hälfte - kaum zu glauben - wurde auf dem Hosenboden bewältigt! ;-) Gebremst wurde, in dem man den Eispickel in den Berg rammte und sich dran festklammerte! Was für ein Tag! In einer Stunde gehts mit dem Nachtbus zurück nach Smogiago - was ich ja eigentlich sehr lieb gewonnen habe....

Dienstag, 17. Juni 2008

News Update aus Santiago

Chile zittert
Seit Freitag bebt unter Santiago die Erde. Bisweilen handelt es sich aber nur um ein leichtes Zittern, nicht mal so stark, dass jeder es bemerkt, geschweige denn, dass ein Glas umfallen würde. Temblor nennt man das hier. Ein Terremoto hingegen würde dann wahrscheinlich schon jeder mitbekommen. Da ich vorher aber noch nie ein Erdeben oder ähnliches erlebt habe, bin ich fasziniert. Überhaupt, die Erde unter Südamerika ist zur Zeit ziemlich aktiv, ist doch vor einigen Wochen im Süden Chiles erst der Chaitén ausgebrochen, ein seit etwa 10.000 Jahren nicht mehr aktiv gewesener Vulkan! Nach neuesten Aussagen der Forscher gibt es auch Aktivitäten bei anderen nahe gelegenen Vukanen ...

Santiago-Wetter aktuell
Update zum Winter in Chile: OK, die Chilenen neigen doch zur Übertreibung: seit meinem letzten Bericht vor einigen Wochen hat es nicht mehr geregnet in Santiago und wir erfreuen uns knallblauem Himmel und Sonnenschein! Gestern waren es 23 Grad im Schatten! Seitdem ich mein Bettchen jeden Abend mit einer Wärmeflasche aufsuche, ist mir der chilenische Winter doch wieder recht sympathisch! ;-)

Fussballfieber auch in Chile
Es gibt ja eine recht grosse deutsche Kultur in Santiago; es gibt sogar einige Deutsche Schulen. Auch gibt es einen Deutschen Klub. Weiterhin gibt es nur eine kleine österreichische, geschweige denn Wiener Kultur, in Santiago. Doch habe ich einen Wiener Fussball verrückten Mitbewohner so wie eine österreichische Fussball begeisterte Arbeitskollegin. Zusammen mit meiner Fussball begeisterten deutschstammigen Chefin und meinem deutschen Mitbewohner ergibt sich daraus zu jedem Deutschland- und bisher auch Österreichspiel eine bunt gemischte kleine Fussballfangemeinde, die sich im Deutschen Klub mit mehr oder weniger Gleichgesinnten zum Public Viewing trifft. Nicht ganz WM-Flair von 2006 - aber immerhin - wir fiebern kräftig mit von hier drüben!


Nachtrag: Santiagos Strassen...
...scheinen doch gefährlicher zu sein als gedacht:
- vom Eingang des Crown Plaza Hotels, Veranstaltungsort des Kammerballs, wurde ich von Sicherheitskräften, die mit Schlagstöcken bewaffnet waren, zum Auto begleitet
- wenn wir abends ausgehen, wird der "Strassenbesizter" gefilzt, damit das Auto auch noch heile am gleichen Ort parkt, wenn wir zurückkommen
- letzte Woche wurde eine Randale von Jugendlichen direkt vor unserer Haustür mit Tränengas und Panzern (!!!) niedergemacht! Noch nach einiger Zeit konnten wir nicht vor die Tür, weil die Luft noch voll Tränengas hing!

Rückflug gebucht
Am 10. Oktober lande ich wieder in Düsseldorf. Nachdem ich Ende Juli mein Praktikum in Chile beende, stehen mir noch zwei spannende Monate Südamerika bevor. Vorläufiges Programm: Nordchile, Bolivien, Peru, Ecuador, Argentinien...

Eine sonnige Woche aus Chile!

Samstag, 31. Mai 2008

Die Strassen von Santiago

Zunächst einmal sind die Strassen von Santiago wie die Strassen jeder Millionenstadt, sie erinnern mich sogar ein bisschen an New York: etwas dreckig, laut und viele Autos. Die Luft ist hier allerdings schon eine Zumutung. Die reichere Klasse lässt es sich nicht nehmen, anstatt in die verstopfte Metro zu steigen, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Zur Rushhour herrscht also ein unglaublicher Verkehr. Das Problem an Santiago ist, dass es eingequetscht zwischen den Anden liegt und der Smog daher keine Chance hat, abzuziehen. So liegt Santiago ständig inmitten eines Dunstes, den man zunächst gar nicht wahrnimmt. Doch seitdem ich hier bin, plagen mich beispielsweise ständig Halsschmerzen und meine Nase ist immer zu. Joggen gehen ist hier beinahe unmöglich. Ich habe mich einmal Sonntags getraut, wenn der Verkehr erholsam "ruhig" ist. Trotzdem hatte ich danach Halsschmerzen und meine Lunge fühlte sich an, als hätte ich eine ganze Schachtel Zigaretten geraucht. Einmal, nachdem es geregnet hat und sich der Smog ein bisschen verzogen hatte, habe ich am Plaza Baquedano, an dem ich jeden Morgen in die Metro zur Arbeit steige, mit Verwunderung festgestellt, wie nah doch die Anden sind! Sie lagen ganz frei da, direkt hinter den Hochhäusern. Normalerweise sind sie einfach verdeckt im Dunst!

Apropos Metro: es leben mehr als sechs Millionen Menschen in Santiago. Jeden morgen auf dem Arbeitsweg kommt es mir so vor, als würden sie allesamt mit mir in der gleichen Metro fahren! Allerdings bin ich froh, dass ich nicht Bus fahren muss, denn da werden alle Rekorde erneut gebrochen! Und die Busfahrer fahren wie die letzten Henker! Der einzige Grund, warum man nicht unfällt (ich hatte EINMAL einen Sitzplatz im Bus, in der Metro zur Rushhour noch nie - wenn es überhaupt welche gibt, in den meisten Bahnen sind gar keine installiert), ist, dass man eingefercht zwischen den Menschen steht. Da darf man wirklich keine Berührungsängste haben!

Auch keine Probleme haben Chilenen damit, in aller Öffentlichkeit zu knutschen. Bei uns Deutschen läuft das ganze schon etwas subtiler ab. Aber hier sieht man knutschende Päärchen in jeder Altersklasse, überall: vor der Metro, in der Metro, mitten auf der Strasse, im Aufzug auf der Arbeit... Und erst in den Parks: es gibt viele "Parks" in Santiago (meist längere Grünstreifen inmitten der Fahrbahn). Ich glaube, sie dienen eher dem "Encuentro". Sie sind voll von Bänken, auf denen sich Päärchen nach der Arbeit und am Wochenende und eigentlich zu jeder Zeit treffen. Die meisten Studenten wohnen noch mit ihrer Familie, da der Unterhalt und das Studium hier so teuer sind. Meistens wohnen in einer Wohnung auch noch mehrere Generationen einer Familie. Da kann ich schon verstehen, dass die aus teilweise streng katholischen Familien stammenden Jugendlichen sich im Park treffen. Aber es sind nicht nur die jungen Generationen, die sich im Park zum Stelldichein treffen. Ich habe allen Ernstes nicht nur einmal Leute gesehen, die im Schlafsack im Park gelegen haben und wer weiss was gemacht haben, eben nur verdeckt durch einen Schlafsack!

Und Hunde gibt es hier auf den Strassen! Sie bilden ein richtiges Sozialsystem. Wenn man abends durch die Strassen läuft, folgen sie einem auf Schritt und tritt, bis man in der nächsten Bar verschwunden ist. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, während wir an der Ampel warten, bellend hinter den Autos herzujagen. Viele finden sich auch in Rudeln zusammen und spielen miteinander wie kleine Kinder! Das hat etwas richtig Menschliches!

Auf den ersten Blick ist Santiago nicht typisch südamerikanisch, aber wenn man etwas näher hinschaut, fallen einem eben doch ein paar liebenswerte Unterschiede zu Deutschland auf...

Donnerstag, 29. Mai 2008

Winter in Santiago

Während es in Deutschland endlich mal wieder richtig Sommer wird (am Wochenende sollen es bei Euch Glücklichen bis zu 27 Grad werden), ist hier auf der Südhalbkugel nun endgültig der Winter eingefallen.

Angekündigt hat er sich vorletztes Wochenende, als ich mit einer Mitbewohnerin aus dem Museum kam. Auf einmal fing es an zu winden. Zuvor wusste ich nicht, dass man Wind sehen kann. Jetzt weiss ich zumindest wie er hier in Chile aussieht: Eine Wand aus aufgewirbelten Staub und aufgepeitschten Blättern rauschte an uns vorbei. Nach etwa 30 Sekunden war der Spuk vorbei. Unheimliche Stille. Und Wärme. Surreal. Ich habe schon fast geglaubt, im Zentrum eines Tornados zu stehen. Glücklicherweise blieb es für den Moment bei einer einzelnen Windböe. Dafür hat es dann angefangen zu regnen.

Der Maipu, der durch Santiago fliesst, ist im Sommer ein lächerliches Rinnsaal inmitten eines absurd breiten Betonbetts. Mittlerweile ist das nicht mehr kleine lächerliche Rinnsaal zu einem reissenden Strom angestiegen und füllt das nicht mehr absurd breite Betonbett.

Für Chilenen ist es jetzt RICHTIG kalt: Im Tagesdurchschnitt um die 15 Grad und nachts um den Gefrierpunkt. Das klingt erstmal wie deutscher Schmuddelsommer. Auch ich habe zunächst gelacht über die Chilenen. Bedenkt man aber die Umstände hier, kann ich bei 15 Grad tags und 0 Grad nachts nicht mehr lachen: Die Häuser sind hier wie aus Pappwänden gebaut (auf die Decken komme ich später noch zurück), die Fenster sind nicht guter deutscher Standard mit Doppelverglasung und Heizungen sind die Ausnahme. Meine Behausung macht da leider keine Ausnahme. Da fühlen sich 15 Grad schon etwas kühler an.

Auch über den Regen beschwert man sich hier lautstark. Seit meiner Ankunft hier in Santiago vor sieben Wochen hat es bisher nie geregnet. Da sind die Deutschen Anderes gewohnt. Allerdings, wenn es hier regnet (und das soll es von nun an übrigens den ganzen Winter lang tun),
schüttet es wie aus den Iguazúfällen, den grössten Wasserfällen Südamerikas. Das Infrastruktursystem in Santiago hält diesen Wassermassen nicht stand: Letzte Woche ist irgendwo in Santiago ein Wasserbecken übergelaufen und in Las Condes, dem chicen Geschäftsviertel von Santiago, wurde das Wasser abgestellt und es gab „regenfrei“: Schüler und Arbeitnehmer wurden nach Hause geschickt. Ebenfalls in Las Condes, was neben Geschäftsviertel auch zu den gehobenen Wohngegenden zählt, wohnt die Chefin meiner Mitbewohnerin in einer nicht ganz günstigen Wohnung im achten von insgesamt neun Stockwerken eines Hochhauses. Vorgestern hat es bei ihr durch die Decke getropft! Wohlbemerkt, sie wohnt im achten (!), nicht im obersten neunten Stock! Wie sah es wohl im neunten Stock aus und wie wohl in den nicht so reichen Wohngegenden? Nun fange ich bei 15 Grad schon an zu frösteln.

Bei Regen wird es hier also auch Drinnen ungemütlich. Und draussen wird das Strasse überqueren zum Sport: Pfützen hüpfen. Und wenn dass nicht mehr hilft: schwimmen. Chilenische Strassen haben keine Abflussrinnen. In Argentinien muss man dagegen acht geben, dass man nicht in die Wasserabflussrinne fällt und mitgerissen wird: Die Wasserabflussrinnen auf argentinischen Strassen (zumindest in Mendoza) sind etwa einen Meter breit sowie tief. Meine Fertigkeit im Pfützen hüpfen ist leider noch nicht so ausgereift (zum Glück bin ich in Chile und muss nur über Pfützen hüpfen und nicht über Wasserabflussrinnen!), so dass ich nun regelmässig mit nassen Füssen nach Hause komme. Da erscheinen dann 15 Grad RICHTIG frostig.

Nun sitze ich zu Hause mit meinen im Süden erworbenen Handschuhen aus Guanakohaar vor unserem Computer und haue fleissig in die Tasten (entschuldigt die Tippfehler). Ich habe noch nie so viel Tee getrunken und mein Estufa (Gasofenmonstrumdingsdabumsda mit offener Flamme), dem ich anfänglich sehr skeptisch gegenüberstand, ist mittlerweile mein bester Freund. Was ich wohl in der Zeit mache, wenn die Gasflasche leer ist und ich darauf warten muss, dass sie aufgefüllt wird? Vielleicht trainiere ich ein bisschen fürs Pfützen hüpfen...

Dienstag, 27. Mai 2008

Am Ende der Welt

Chile bedeutet in der Sprache der Ureinwohner "Ende der Welt". Chile liegt auch am Ende der Welt: es erstreckt sich, abgeschottet durch den Pazifik auf der einen und durch die Anden auf der anderen Seite, vom 17. bis zum 56. Breitengrad über den Globus. Somit sind in Chile alle Klimazonen der Erde (bis auf eine) zu finden. Ausserdem die südlichste Stadt auf dem Festland, Punta Arenas. Näher am Südpol liegt nur noch die Insel Feuerland, welche sich Chile mit Argentinien teilt. Unser Vorhaben, während des Wintereinbruchs auf der Südhalbkugel genau dort hin zu reisen, ist bei Chilenen und Mitbewohnern nur auf Unverständnis gestossen. Davon haben wir uns nicht abhalten lassen! Doch aber sind wir dem allgemeinen Rat gefolgt, und haben uns warme (oder vielmehr viele) Anziehsachen eingepackt.

Am 21. Mai jeden Jahres gedenken die Chilenen den Gefallenen der Seeschlacht von Iquique, in der sie 1879 den Peruanern unterlagen. Gleichzeitig hält an diesem Tag der Präsident traditionsgemäss eine Rede an die Nation. Während sich also in diesem Jahr Michelle Bachelet in Ihrer Rede politisch Richtung Asien orientierte, nutzte ich die Gelegenheit und stieg mit meiner Mitpraktikantin zu nächtlicher Stunde in den Flieger gen Süden.



Vier Stunden Flug sind es von Santiago nach Punta Arenas - ob nun geografisch nur viel diskutiertes, doch zumindest mein "Ende der Welt". Von dort aus wären es noch einmal ein paar Stunden Autofahrt bis Bulnes, wo man auf ein Schild mit dem Vermerk trifft, das man sich hier nun im geografischen Mittelpunkt Chiles befindet - denn bis zum Südpol ist es von hier aus genauso weit wie bis Arica, der nördlichsten Stadt Chiles.

Der Süden hat uns zunächst nicht im Stich gelassen: in Punta Arenas wurden wir mit strahlend blauem Himmel und Sonne begrüsst. Von dort aus ging die Reise gleich weiter, etwa drei Stunden Busfahrt bis Puerto Natales, das Tor zum Torres del Paine. Zunächst führte uns unser Weg aber durch verschneite Landschaft über die Grenze nach Argentinien, welches uns mit klirrender Kälte und messerscharfem Wind empfing. Dort liegt, halb auf argentinischem und halb auf chilenischen Boden, im Nationalpark "Los Glacieres" der einzige "wachsende" Gletscher der Erde, der Perito Moreno. Über fünf Kilometer ergiesst sich das Ende des Gletschers über einen See, in der Mitte durch eine Landzunge getrennt, von der aus man direkt vor dem Gletscher steht, einer 60 Meter hohen zerklüfteten und in den Furchen tiefblau schimmernden Wand aus Eis. Gigantisch! Auf einmal donnert es, und als ich mich umdrehe, kracht wie vom Drehbuch beschrieben ein Eisbrocken ins Wasser, auf dem sich gemächtlich, fast in Zeitlupe, eine überdimensionale Welle ausbreitet...



Den nächsten Tag haben wir in Puerto Natales verbracht, um ein bisschen Wärme zu tanken, was uns in dem halbbeheizten zugigen Zimmer des Hostels nicht wirklich gelungen ist. Puerto Natales ist ein kleines buntes Örtchen, an dessen Hafen der Wind gefühlsmässig direkt vom Südpol bläst und den Weg über die Hafenpromenade zu einem Kräftemessen werden lässt. Die Kulisse, die einem dafür geboten wird, ist allerdings einmalig: das rauhe, vom Wind aufgepeitsche Wasser der Lagune, im Hintergrund schroffe Berge in dunklen Blaugrau- und Violetttönen bis fast zum Fusse mit Schnee bedeckt, ihre weissen Spitzen in den mit Wolken verhangenen düsteren tiefen Blaugrau des Himmels untergehend... Ausser dem tosenden Wind ist nichts zu hören... Weltuntergangsstimmung - das Ende der Welt ist eben einmalig!



Doch auch die berühmte Landschaft Patagoniens, dessen Nationalpark Torres del Paine die zweitsauberste Luft der Welt beheimatet, ist atem(be)raubend: Hier ging die Fahrt durch matte Grün-Beige-Töne, rot, braun und gold schimmernde Wälder mit vereinzelten schwarzen Baumskeletten, durch grüne saftige Hügel, vorbei an türkisfarben schimmernden Seen mit grauen Sandstränden. Im Hintergrund immer die schneebedeckte und wolkenbehangene schroffe Felskulisse der Anden.



In den Lago Grey, ergiesst sich aus den weissen Bergen, die im Hintergrund mit den Wolken im Himmel verschmelzen, der Gletscher Grey. Er wirkt wie ein Weg in den Himmel. Auf dem See schwimmen in leuchtendem Blau schimmernde Eisberge, aus denen sich beim schmelzen Skulpturen formen, die vor dem grauen Sandstrand über den See dahintreiben - eine unwirkliche Kulisse.



Zwar haben wir keinen Puma, doch aber einen Fuchs gesichtet. In gewaltiger Höhe kreisten die Kondore, während auf den Wiesen Schafe, Kühe, Pferde, Guanacas und Nandus grasten.



Zu guter Letzt ging unsere Reise zurück nach Punta Arenas, das uns überaus freundlich empfing: unser Hostal urgemütlich mit Frühstück "demasiado rico": vom Dueño persönlich frisch zubereitetes Omlette, selbstgemachter Kuchen, frisch auf dem Ofen erwärmtes Brot mit Marmelade, Joghurt und Kaffee. Die Bewohner Punta Arenas sind freundlich und sympatisch, die bunten Häuschen leuchten unter knallblauem Himmel vor tiefblauer See, frische Luft und Ruhe - hier muss man sich einfach erholen!



Leider ging es mittags dann schon wieder in den Flieger, zurück ins versmogte und stressige Santiago. Hier ist mittlerweile die für den Winter typische Regenzeit mit untypischen orkanartigen Winden ausgebrochen - doch bisher trage ich noch die einzigartige Stille und Freiheit des Südens mit mir herum...

Montag, 5. Mai 2008

Paso Agua Negra nach Argentina

Dann ging unsere Route weiter durch das fuer seinen Piscoanbau beruehmte Elqui-Tal ueber den 4 760 Meter hohen Paso del Agua Negra nach San Juan, Argentinien.



Auch der dritte Tag unserer Reise war wieder einzigartig und kontrastreich: zunaechst das gruene Elquital im strahlenden Sonnenschein mit seinen ueppigen Weinreben; dann der Pass, wo sich die Umgebung verwandelt in eine schroffe Felslandschaft aus erzhaltigen Gestein, dass in Rot-, Gelb- und Violetttoenen schimmert, dazu das Weiss des ewigen Eises. Auf der Hoehe des Passes fiel die Temperatur bis auf -14 Grad und auf der argentinischen Seite hat uns dann in der Daemmerung auch noch der Wintereinbruch ueberrascht - Weltuntergangsstimmung!



Am spaeten Abend sind wir dann in San Juan angekommen, einem verschlafenen Doerfchen, in dem wir den 1. Mai verbracht haben. Von dort aus ging die Fahrt nach Mendoza, von wo ich heute morgen per Nachtbus ueber den Paso de Los Libertadores nach Santiago zurueckgekehrt bin.

Reserva Nacional Pingüino de Humboldt

Am naechsten Tag sind wir von La Serena durch die Halbwueste, in der sich Alpacas, wilde Esel und Ibise tummeln, die Kueste hoch bis zum Punto de Choros gefahren.



Von dort aus beginnen die Bootstouren in das Nationalreservat der Humboldpinguine, der zweitkleinsten Pinguine der Welt.



Zur Tour gehoert die Fahrt in einer "Nussschale" ueber den rauhen Pazifik mit seinen meterhohen Wellen und kristallklarem, eiskalten Wasser. Entlang der schroffen und wilden Felskueste der Isla Choros siedeln die Seeloewenkolonien, Albatrosse und eine Papageienart.

Dann ging es auf die Isla Damas, eine bizarre "Mondlandschaft" mit Traumstraenden. Wir hatten Glueck und haben neben den Humboldtpinguinen,die die Insel bevoelkern,auch noch Delfine gesehen!

Dienstag, 29. April 2008

La Serena

Gestern sind Julia, meine Mitbewohnerin, und ich mit dem Bus nach La Serena aufgebrochen - sieben Autostunden noerdlich von Santiago. Die Busse hier sind sehr komfortabel, man hat richtige Liegesizte und es werden die ganze Zeit Filme gezeigt, das Ganze fuer nicht mal 10 Euro. Unser Hostel hier in La Serena wird von Schweizern gefuehrt. Und heute haben wir eine Tour mit Tourguide aus der Schweiz, sowie zwei anderen Maedels aus Schweiz und Deutschland gemacht: zunaechst ins Valle de Encanto und danach in den Nationalpark Fray Jorge, wo es einen fuer Suedamerika einzigartigen Nebelwald inmitten einer Halbwueste zu bewundern gibt. Eigentlich regnet es in dieser Region nur einige Tage im Jahr. Vom Pazifik her steigt der Nebel ueber die Kuestenkodillere und versorgt so den Wald mit Feuchtigkeit. Am morgen im Encanto-Tal sind wir bei etwa 30 Grad durch die steinige Kakteenlandschaft geklettert, und am nachmmittag standen wir dann bei 13 Grad in einem gruenen, feuchten Wald, indem es nie regnet und unter anderem Kolibris zu Hause sind. Zum Abschluss haben wir noch den Sonnenuntergang in einem Fischerdoerfchen mit vielen bunten Haueschen, tausenden bunten Booten und schwarzen Pelikanen angeschaut. Ein abwechslungsreicher Tag!