Von Potosí aus ging die Fahrt weiter nach La Paz, was umrundet von Bergen liegt. Nur das Zentrum liegt halbwegs im Tal, die restlichen Stadtteile sind in die Berghänge gebaut. In diesem Hexenkessel haben wir zwei anstrengende und aufgrund der Höhe atemlose Tage erfolglos versucht, uns zu orientieren.
Am nächsten Tag ging es dann mit einer 20-Mann-Propeller-Maschine vom Flughafen in La Plaz von rund 3.500 Metern runter an den Amazonas nach Rurrenabaque, welches fast auf Meeresspiegehöhe liegt. Innerhalb von 45 Minuten haben wir die über 4.000 Meter hohe Andenkodillere überquert, in einer winzigen Propellermaschine, in der man jeden Luftzug spürt und mit der wir zwischen den schneebedeckten Berggipfeln durchgeflogen sind. Plötzlich verwandelte sich die Landschaft in ein ebenes grünes Meer aus Baumgipfeln und Temperatur und Luftfeuchtigkeit stiegen mit jedem Meter, den wir der Landebahn (eine grüne Wiese!) näher kamen.
Von Rurrenabque aus haben wir eine dreitägige Pampatour gemacht: zunächst drei Stunden eingefercht im Jeep durch den Urwald (Strasse würde ich das nicht nennen). Von dort sind wir ins Kanu umgestiegen, welches für die nächsten drei Tage unser Fortbewegungsmittel wurde. Das Boot lag vielleicht einen halben Meter über der Wasseroberfläche. Im Wasser und am Ufer - wir konnten unseren Augen kaum trauen - in nächster Nähe Krokodile, Kaimane und Alligatoren von bis zu 2,5 Metern Länge! Aufgrund der Vielzahl der abtauchenden Augen im Wasser und der offenen auf Beute lauernden starren Mäuler, die wir passierten, haben wir uns schnell daran gewöhnt, von diesen Bestien umgeben zu sein.
In diesen nächsten drei Stunden Flussfahrt habe ich mehr Alligatoren, Vögel und andere Dschungelbewohner gesehen als während meiner gesamten zwei Monate in Australien: Wasserschweine, Schildkröten, Adler, Geier, Paradisvögel, Kormorane, Störche, Reiher, Tukane, riesige Vögel, winzige knallbunte Vögel und hässliche Hühner, gelbe Affen und grosse schwarze Affen... Der Dschungel lebt!
Ok, bei der Vielzahl an zu bewundernden Pampabewohnern hatten wir uns an die Krokis um uns herum gewöhnt, nie im Leben hätte ich aber noch Minuten zuvor gedacht, das ich im nächsten Moment zu ihnen ins selbe schlammige und mit den Augen nicht zu durchdringende Wasser steigen werde! In einer Bucht in diesem Fluss wohnen nämlich rosa Flussdelfine, wirklich nicht die hübschesten ihrer Artgenossen, dafür aber sehr nüztlich: wo sie sind, bleiben Krokis und auch Piranhas fern - naja, fern ist relativ: wir konnten die Krokis am Ufer lauern sehen und auch am Rand im Wasser, während wir in der Mitte der Bucht mit den Delfinen spielten!
Nach diesem aufregenden Bad haben wir unser auf Holzpfeilern gebautes Dschungelcamp bezogen, in dessen Bäumen die Affen spielten. Um das Adrenalin noch ein bisschen höher zu treiben, ging es nach dem Abendbrot auf Nachtwanderung, natürlich im Boot. Keine Ahnung wie Charlo, unser Guide, sich in der Dunkelheit durch den Fluss manovrierte - er hat aber wohl auch nicht viel mehr gesehen, denn auf einmal steckten wir fest, inmitten von Wasserpflanzen. Das unangenheme dabei: um uns herum in der schwarzen Nacht: AUGEN! Es wimmelte nur so von Krokodilen, deren Augen im Dunkeln leuchteten! Sehr angenehm, ich wäre nicht ins Wasser gestiegen, um unser Boot aus den Wasserpflanzen zu befreien! Die Krokodile schienen nicht hungrig gewesen zu sein, denn Charlo kam unversehrt wieder ins Boot! Dann haben wir noch eine über handtellergrosse Tarantula (Vogelspinne) besucht, die nachts immer in ihrem Haus aufzufinden ist.
Was fehlt noch im Dschungel? - Schlangen! Am nächsten Morgen haben wir einen Spaziergang durch die Pampa, durch weites schulterhohes Grasland, gemacht. Dort sind wir dann einer Kobra, einer gelben sehr schnellen Giftschlange, und zwei Anakodas, langsameren Würgeschlangen, begegnet. Man kann Sie sogar am Schwanz packen und wild durch die Luft schleudern, wenn Sie versucht einen zu beissen. Ich hab mich mit Streicheln begnügt.
Am nachmittag ging es dann zum Piranha-Angeln! Eine kleine Schnur, an dessen Haken man ein Stückchen Fleisch befestigt. Der Köder hängt noch nicht ganz im Wasser und im Wasser geht es rund: 2 Sekunden später ist das Stückchen Fleisch auch schon weg. Man braucht nicht viele Versuche, um einen Piranha herauszuziehen. So war das Gekreische in usnerem 5 Mädels und 2 Mann starken Boot gross, sobald eine von uns einen Piranha ins Boot manövrierte. Es hat mich schon einige überwindung gekostet, meine Beute vom Haken abzumachen und noch lebend in die Tüte fürs Abendbrot zu bringen!
Am dritten Morgen ging es zurück über den Fluss inmitten der Krokodile, vorbei an den Delfinen, über die holprige Strasse mit dem Jeep nach Rurre. Von dort wieder mit dem Flieger nach La Paz, wo wir am selben Tag noch die Fahrt nach Cocacabana, einem hübschen idyllischen örtchen am Titikakasee angetreten sind. Wieder zurück in 3.600 Metern Höhe, mit tagsüber brennender Sonne aber nachts eisiger Kälte, und wieder völlig andere Landschaft! Inmitten des Titikakasees liegt die Isla del Sol, welche als die Geburtsstädte der Inkakultur gilt. Gestern sind wir dann über die Grenze nach Peru maschiert: mit dem Minibus bis zur bolivianischen Seite der Grenze, Sack und Pack geschnappt, über die Grenze gelaufen und in Peru in den Nachtbus gestiegen, der uns nach Puno, die peruanische Seite des Titikaksees gebracht hat...